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Öffentlich bestellter Sachverständiger werden: Voraussetzungen, Prüfung, Ablauf

Aktualisiert am 19.10.2026 · 6 Min. Lesezeit · Redaktion Stempel-Check

Öffentlich bestellter Sachverständiger werden, Stempel-Check Ratgeber

Die öffentliche Bestellung ist einer von zwei gleichrangig anerkannten Wegen zum qualifizierten Immobiliengutachter, neben der Zertifizierung durch eine akkreditierte Stelle, und gilt am Markt als Qualitätssiegel. Was Sie mitbringen müssen und wie das Verfahren abläuft.

Rechtsgrundlage und Zuständigkeit

Grundlage ist § 36 Gewerbeordnung (bzw. Landesrecht für bestimmte Kammern): Personen, die als Sachverständige tätig sind oder werden wollen, sind auf Antrag durch die nach Landesrecht zuständige Stelle öffentlich zu bestellen, sofern für das Sachgebiet ein Bedarf besteht, sie besondere Sachkunde nachweisen und keine Bedenken gegen ihre Eignung bestehen. Liegen die Voraussetzungen vor, besteht also ein Anspruch auf Bestellung. Zuständige Bestellungskörperschaft für die Immobilienbewertung ist meist die Industrie- und Handelskammer, teils auch eine Architekten-, Ingenieur- oder Landwirtschaftskammer; Verfahren und Pflichten regelt die jeweilige Sachverständigenordnung.

Voraussetzungen

  • Fachliche Qualifikation, meist ein einschlägiges Studium (Immobilienwirtschaft, Architektur, Bauingenieurwesen, Vermessung o. ä.) oder eine gleichwertige Ausbildung mit Zusatzqualifikation in der Wertermittlung.
  • Mehrjährige Berufserfahrung in der Immobilienbewertung, belegt durch eigene Gutachten.
  • Überdurchschnittliche Sachkunde, deutlich über dem Niveau eines durchschnittlichen Fachkollegen, geprüft durch das Fachgremium.
  • Persönliche Eignung: geordnete wirtschaftliche Verhältnisse, keine einschlägigen Vorstrafen, Unabhängigkeit. Eine Maklertätigkeit schließt die Bestellung nicht in jedem Fall aus; die Sachverständigenordnungen (z. B. die Muster-Sachverständigenordnung) untersagen aber insbesondere die Bewertung von Objekten, die man selbst vermittelt oder ankaufen möchte.

Das Verfahren

  • Antrag bei der zuständigen Bestellungskörperschaft (meist die IHK) mit Nachweisen zu Ausbildung, Berufspraxis und Referenzgutachten.
  • Prüfung der Sachkunde durch ein Fachgremium, das die Kammer berät (bestellt wird durch die Kammer selbst): schriftliche Klausur, Fachgespräch und Begutachtung eingereichter bzw. angefertigter Gutachten.
  • Bei Bestehen: Bestellung durch die Kammer, Vereidigung, Aushändigung von Bestellungsurkunde, persönlichem Rundstempel und Ausweis; IHK-Bestellte (und viele von anderen Kammern Bestellte) erscheinen im gemeinsamen Verzeichnis svv.ihk.de.
  • Die Bestellung ist befristet (üblich sind fünf Jahre) und wird bei nachgewiesener Fortbildung und Tätigkeit verlängert.

Pflichten nach der Bestellung

Öffentlich bestellte Sachverständige unterliegen der Aufsicht der Kammer. Sie sind zur unabhängigen, weisungsfreien, gewissenhaften und unparteiischen Leistung verpflichtet, müssen sich fortbilden, Gutachten persönlich erstellen und mit dem Rundstempel kennzeichnen. Verstöße können zum Widerruf führen.

Alternative: Zertifizierung nach DIN EN ISO/IEC 17024

Wer gezielt im Kreditgeschäft arbeiten will oder einen alternativen Weg sucht, wählt oft die Zertifizierung durch eine DAkkS-akkreditierte Stelle wie HypZert, DIAZert oder Sprengnetter. Auch hier stehen Prüfung, Rezertifizierung und Überwachung; nach § 198 Abs. 2 BewG und § 6 BelWertV ist die akkreditierte Zertifizierung der öffentlichen Bestellung gleichgestellt. Viele Sachverständige kombinieren beides.

Häufige Fragen

Wie lange dauert der Weg zur öffentlichen Bestellung?

Von der ersten Bewertungstätigkeit bis zur Bestellung vergehen meist mehrere Jahre, da eine fundierte Berufspraxis nachgewiesen werden muss. Das Prüfungsverfahren selbst dauert typischerweise einige Monate.

Kann ich mich in mehreren Sachgebieten bestellen lassen?

Ja, sofern die besondere Sachkunde für jedes Sachgebiet nachgewiesen wird, zum Beispiel Bewertung von bebauten und unbebauten Grundstücken (1400) und Mieten und Pachten (1405).

Jetzt prüfen: Geben Sie den Namen Ihres Gutachters in die Namenssuche ein oder finden Sie geprüfte Sachverständige in der Übersicht nach Stadt.

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Dieser Ratgeber dient der Orientierung und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.